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Pressemitteilung

27.03.2009

Wir bauen Service ab

Nachgefragt bei... Axel Stirl, der immer noch das Monopol der Post knacken will.

Herr Stirl, Ihr Mutterkonzern, die bundesweite PIN Group, musste im letzten Jahr Insolvenz anmelden. Der Holtzbrinck-Verlag (u. a. Der Tagesspiegel, Berlin maximal,) hat Ihr Unternehmen, die PIN Mail AG Berlin, aus der Konkursmasse herausgekauft. Jetzt feiern Sie zehnjähriges Betriebsjubiläum. Mal ehrlich: Hätten sie gedacht, dass Sie diesen Tag noch erleben würden?

Sagen wir es mal so: Auf Teilen der Wegstrecke haben nicht mehr alle daran geglaubt. Die Entscheidung für den unverhältnismäßig hohen Mindestlohn von 9,80 Euro hat dem bundesweiten Netzaufbau der PIN Group ein jähes Ende gesetzt. Jetzt sind wir aber sehr erleichtert. Auf dem Berliner Markt sitzen wir fest im Sattel. Wir haben in der Krise keine Anteile verloren und wachsen heute sogar wieder.

Aber Sie zahlen den Mindestlohn von 9,80 Euro die Stunde. Warum lohnt sich das auf einmal doch?

Das geht nur unter hohen Belastungen für alle Beteiligten. Wir haben Personal abgebaut, die verbliebenen 1000 Mitarbeiter schultern jetzt mehr als dauerhaft leistbar wäre. Wir alle verzichten auf Urlaub, nehmen nur noch 21 Tage im Jahr. Der unverhältnismäßig hohe Lohn wird uns aber dazu zwingen, beim Service abzubauen. Dass wir bisher alle Kunden, auch die ganz kleinen, täglich individuell anfahren, das wird ab Mai nicht mehr drin sein. Gegenüber der Post werden wir uns aber nach wie vor durch Service, Flexibilität und Freundlichkeit abheben.

Ihr bundesweites Zustellernetz ist aber zusammengebrochen. Wohin können Sie die Berliner Post überhaupt noch liefern?

Mit der PIN Group haben wir 80 Prozent aller Haushalte in ganz Deutschland erreicht. Jetzt mussten wir unser Zustellgebiet auf die neuen Bundesländer reduzieren. Für größere Geschäftskunden versenden wir auch bundesweite Post. Dafür arbeiten wir unter anderem mit dem Konkurrenten TNT zusammen. Notfalls zahlen wir auf den letzten Metern auch für die Boten der Post.

Heißt das, die Idee, das Monopol der Deutschen Post auf dem bundesweiten Briefmarkt zu knacken, ist gescheitert?

Ganz und gar nicht. Wir wissen, dass der gesetzliche Mindestlohn eines Tages fällt. Dann wird sich der Lohn für die Briefzusteller auf ein vernünftiges regional allerdings unterschiedliches Niveau einpendeln - in Majorität werden diese zunächst noch unter 9,80 Euro liegen. Wir warten jetzt auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Fällt sie zu unseren Gunsten aus, werden wir wieder ein bundesweites Netz spinnen. Einen anderen großen Wettbewerbsnachteil hat der Gesetzgeber schon beseitigt: Ab dem 1. Januar 2010 muss die Post Umsatzsteuer auf ihre Preise erheben, so wie alle anderen auch.

Pleite, Personalabbau, Lohndumping: Der Name PIN kam im letzten Jahr gar nicht mehr raus aus den negativen Schlagzeilen. Wie haben Sie Kunden und Mitarbeiter bei Laune gehalten?

Eine solche Situation fordert dem Management wahnsinnig viel ab. Die Kunden waren höchst verunsichert. Wir haben intensive Gespräche gesucht und erklärt: Wir in Berlin sind anders als der Rest von PIN. Mit Erfolg: Die Rekordumsätze des Jahres 2007 sind 2008 natürlich etwas abgeflacht. Aber wir haben immer noch über 100 Millionen Sendungen zugestellt. Auch unseren Mitarbeitern haben wir zu jedem Zeitpunkt signalisiert: Wenn wir so weitermachen, werden wir überleben, auch jetzt, in der Wirtschaftskrise. Die Kollegen identifizieren sich sehr stark mit dem Unternehmen. Dazu trägt bei, dass unsere grünen Uniformen in Berlin zum Stadtbild gehören. Es gibt einen PIN-Stolz. Stolz, dass wir den Monopolisten Paroli bieten.

Die Fragen stellte Miriam Schröder.
 

Quelle: Berlin maximal vom 27.03.2009

 

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