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Dr. Axel Stirl
Dr. Axel Stirl
15.05.2013

Chefsessel - Axel Stirl

CHEFSESSEL - AXEL STIRL PIN MAIL AG

Zur Person
Ein grüner Pin-Briefkasten schmückt Axel Stirls Büro, ebenso ein Fußball zum Abreagieren. Die Zeiten, in denen der  48-jährige Chef der Berliner Pin Mail AG den brauchte, sind jedoch vorbei. Nach turbulenten Zeiten hat sich die Lage im Unternehmen stabilisiert. Der promovierte Betriebswirt leitet die grüne Post seit Ende 2005. Die Hauptstadt ist sein wichtigstes Revier. Doch über Pin Mail können Kunden ihre Post auch bundesweit und ebenso in andere Länder verschicken. Die Briefe sind innerhalb Deutschlands maximal zwei Tage unterwegs.

DAS UNTERNEHMEN:
Geschichte:
Mit fünf Mitarbeitern schickte sich die PinMail AG 1999 in Berlin an, dem Platzhirsch Deutsche Post Konkurrenz zu machen. Schnell wuchs die kleine Post und mit ihr die Hoffnung, die hellgrün gekleideten Briefträger würden für mehr Service und niedrigere Preise auf dem Briefmarkt sorgen. Das Unternehmen expandierte, wurde von großen Verlagen übernommen und firmierte danach als Pin Group mit Sitz in Luxemburg. Dann kam 2008 der Mindestlohn in Höhe von 9,80 Euro für die Branche. Großeigentümer Springer drehte den Geldhahn zu, Pin Group ging pleite. 19000 Jobs fielen weg. Pin Mail wurde an TNT Post und Holtzbrinck verkauft.

Geschäftslage:
Inzwischen hat sich Pin Mail wieder erholt. 1100 Mitarbeiter zählen zu dem Unternehmen, das in Alt-Moabit sitzt und einer der größten Wettbewerber der Deutschen Post ist. Rund 750 000 Sendungen sortieren, sammeln und stellen sie täglich zu – vom klassischen Brief bis zur 1000 Gramm schweren Postsendung. Im Vorjahr setzte Pin Mail knapp 43  Millionen Euro um und erzielte einen operativen Gewinn von 2,5 Millionen. Grüne Post verschicken unter anderem der Berliner Senat, Hertha, die Eisbären Berlin, die Füchse. „Weil wir ein Stück Berlin sind“, sagt Pin-Chef Axel Stirl. Seit Kurzem gehört auch Online-Händler Amazon zu den Kunden. Pin-Post kann man an 360 Standorten in Berlin abgeben, unter anderem in den 125 Kaiser’s-Märkten.

Kunden:
Ein Pin-Zusteller verdient im Schnitt 8,75 Euro (der Mindestlohn wurde vom Bundesverwaltungsgericht wieder gekippt). Das ist deutlich weniger als bei der Deutschen Post. Künftig will Pin „neun Euro oder etwas darüber“ bezahlen, sagt Stirl. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die aus ihrer Sicht zu niedrigen Löhne und, dass kranken Mitarbeitern die sogenannte Anwesenheitsprämie verweigert werde. Laut Pin betrifft das nur zwei Prozent der Belegschaft.
(Peter Kirnich)

DER FRAGEBOGEN:
Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf Ihrem Chefsessel?
Ich tippe mal, zwei Stunden am Tag.Wir haben ja noch hinreichend andere Besprechungsstühle.

Wo können Sie am besten entspannen?
Morgens bei einer Stunde Waldlauf. Und abends bei einer Kajak-Tour über den Wolziger See – zumindest an den Wochenenden.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?
Ja. Als Kind träumt man natürlich von anderen Berufen: Lokführer, Förster und Ähnliches.Was mir an meinem Job gefällt: Ich stehe für eine Marke, bin Teil davon und trage Verantwortung für andere. Das hatte mich früher schon als Klassensprecher motiviert.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Rasenmähen oder Schneeschieben bei den Nachbarn. Das war mit 14, 15 Jahren in den USA. Mein Vater arbeitete damals dort bei der Nato.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?
Erstens: meine eigenen Mitarbeiter. Deren Durchschnittsverdienst in der Zustellung liegt bei 8,75 Euro die Stunde. Da können wir noch was tun. Wir arbeiten dran. Und zweitens: die Politiker. Wir brauchen Profis in der Politik und keine Hobbypolitiker, fixiert auf Verträge und andere Nebenmandate.

Was würden Sie niemals für Geld tun?
Die eigene oder fremde Würde verletzen und die eigene oder fremde Gesundheit angreifen – und eine Meinung verbiegen.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Irgendwann möchte ich mal ein halbes Jahr allein auf einer einsamen Insel verbringen, gerne auch mit meiner Lebenspartnerin – aber ohne Blackberry und ohne jeglichen anderen Kontakt zur Außenwelt.

Wie kommen Sie ins Büro?
Meistens mit dem Auto, da ich in der Stadt mobil sein muss. Fahrrad wäre schön, dann hätte ich noch mehr Vergnügen. Aber mit dem Anzug macht es sich nicht so gut auf meinem Bike.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?
Darauf, den Tag noch einmal vorbeiziehen zu lassen. Die letzten Jahre waren gut für unser Unternehmen. Mindestens ein Mal in der Woche freue ich mich auf eine Radtour – und ansonsten auf mein Bett. Ich schlafe gern.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?
Sie sollen möglichst viele Erfahrungen sammeln. Ich habe selbst erfahren, dass es gut tut, nach vier, fünf Jahren auch mal den Job zu wechseln.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?
Wenn er in erster Linie daran interessiert ist, was das Unternehmen für ihn tun kann. Dann sind wir schnell durch. Wenn ich aber merke, dass der Bewerber erfahren will, wie er sich in das Unternehmen einbringen kann, dann ist er drin.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?
In einen innerdeutschen, umsteigefreien Geschäfts-Flughafen Tegel investieren. TXL parallel zu Schönefeld, aber nur tagsüber. Der wäre eine Einladung für Direktinvestitionen. Die Stadt sollte nicht den Fehler machen, wie zum Beispiel München, und ihren innerstädtischen Flughafen schließen.

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